Home
Search
Print
Login
Add Bookmark
Loading...
» Show All «Prev «1 ... 4 5 6 7 8 9 10 11 12 Next» Onze Wortels? Een klein stukje Kniesmeijer geschiedenis
Sudhagen - Zur Siedlungsgeschichte des Dorfes bis zur Auflösung des
Hochstifts Paderborn
von Manfred Köllner |
|
Schenkungen an die Kirche zur Rettung des eigenen
Seelenheils waren im Mittelalter sehr verbreitet. So ist es nicht
verwunderlich, dass die erste Erwähnung des Dorfes Sudhagen aus einer
Schenkungsurkunde stammt. Am 30. November 1390 übergab Johan von Thülen
einen Hof an den Rektor des Marienaltares zu Delbrück. Es handelte sich um
"de Thulen hove (...), so belegen iß in der Delbrughe up dem Suthagen, de
nu tor tit myt heyde bewassen is."[ 1
] |
| |
|
Die Altbauern |
|
|
Auch wenn Sudhagen hier erstmals namentlich erwähnt wird, ist die
Siedlung deutlich älter. Es handelt sich um eine Hagensiedlung, eine
geplante Rodungssiedlung des Hochmittelalters. Dabei wurde rodungswilligen
Bauern Land im Königsforst zugewiesen, das sie roden durften. Als Anreiz
unterstanden sie einem besonders freiheitlichen Recht, dem Hagenrecht.
Typisch für diese Siedlungsform sind die sogenannten Waldhufen oder
Hagenhufen (Abd. 1). Dabei wurden den Siedlern z.B. entlang eines Weges
etwa gleichbreite Stücke zugewiesen, von wo aus in den Wald hinein gerodet
wurde. Die so entstandenen Streifen, Hufen genannt, konnten
unterschiedlich lang sein, je nach Leistungsfähigkeit der rodenden
Familie. |
|
|
Diese Siedlungsstruktur ist anhand von Karten für den ersten
Siedlungskern Sudhagens deutlich erkennbar. Die Abbildung 2 zeigt einen
Ausschnitt aus den Messtischblättern von 1838, die vom preußischen Militär
erstellt wurden. Wie an einer Schnur aufgereiht liegen die alten
Vollmeierhöfe der ersten Siedlungsschicht am Rieger Weg. Auch die
Hufenform ist im Siedlungsbild noch deutlich erkennbar. Noch deutlicher
wird dies in den Urkatasteraufnahmen von 1828, die im Katasteramt in
Paderborn einsehbar sind. |
Abb.1 Hagensiedlung mit Hufen aus Balzer, Grundzüge der
Siedlungsgeschichte, S. 234. |
 |
Zu dieser ersten Siedlungsschicht gehören sicher die Höfe Wegescheid,
Klüner, Berhorst, Kröning und Rüscher. Vermutlich gehören dazu auch die
Höfe Sudholz, Ruhmann und Sieding. Der Hof Hessel dürfte zur gleichen Zeit
entstanden zu sein, scheint aber eher als Einzelhof angelegt zu
sein. |
Abb. 2 Meierhöfe an der Riege (ohne Ruhmann und Sieding).
Messtischblatt aus dem Jahre 1838. |
Um uns der Frage nach dem Alter der Siedlung zu nähern, müssen wir
kurz auf das Hagenrecht eingehen. |
|
Da es sich bei der Rodungsarbeit um eine sehr mühsame
Tätigkeit handelte und eigentlich erst die nachfolgenden Generationen zu
einem bescheidenen Wohlstand kommen konnten, mussten den Hägern besondere
Anreize geboten werden.Diese lagen in einer besonderen rechtlichen
Privilegierung. Obwohl in der Regel unfrei geboren, erhielten die Häger
häufig die persönliche Freiheit. Ob dies auch in Delbrück der Fall war,
ist nicht nachzuweisen. Eine rechtlich Besserstellung war jedoch üblich.
Häufig erhielten die Häger auch ein eigenes Gericht. Auch wurden sie nur
mit geringen Abgaben und Diensten belastet. |
|
Wegescheid |
42 Morgen
|
| Klönner oder Klüner |
40 Morgen |
| Berhorst |
35 Morgen |
| Kröning |
59 Morgen |
| Rüscher |
35 Morgen |
| Sudholz |
48 Morgen |
| Ruhmann |
44 Morgen |
| Sieding |
46 Morgen |
| Hessel |
37 Morgen |
Tabelle 1 Sudhäger Altbauern mit Hofgröße nach dem Kataster von
1672 |
|
Die älteste Urkunde in Westfalen, die auf eine Rodung nach dem
Hagenrecht verweist, stammt vom Paderborner Bischof Evergis aus dem Jahre
1163 für einen Wald bei Herstelle. Da die erste Sudhäger Siedlung
ausschließlich mit Vollmeiern besetzt wurde, geht man in der Literatur
davon aus, dass diese zu dieser frühen Phase der Hagengründungen in
Westfalen gehört (Balzer 1983, S. 259.). Nicht entscheidbar ist die Frage,
welche der beiden Hagensiedlungen zuerst besiedelt wurde - Sudhagen durch
den Bischof von Paderborn, oder Nordhagen durch den Grafen von Rietberg.
Zwischen beiden Siedlungen dürften jedoch nur wenige Jahre liegen. Für die
Besiedlung der beiden Delbrücker Hagen in der Mitte des 12. Jahrhundert
spricht auch die Tatsache, dass am Ende dieses Jahrhunderts ein Kirchenbau
im Delbrücker Land notwendig wurde. Der romanische Kern der Delbrücker
Kirche wird allgemein auf ca. 1180 datiert und liegt in der Verlängerung
der Altbauernsiedlung. Die Pfarrkirche in Delbrück blieb für Sudhagen das
geistliche Zentrum bis zum Bau der St. Elisabeth Kirche 1923/1924.
|
|
Wie das Hagenrecht für Sudhagen genau ausgesehen hat, ist
nicht bekannt. Eine schriftliche Quelle darüber gibt es nicht. Die
besondere Privilegierung scheint aber in späterer Zeit gelegentlich noch
durch. Die Besonderheiten des Delbrücker Landrechtes und die besonders
freiheitliche Verfassung des Delbrücker Landes, dürften zu einem guten
Teil auf das alte Hagenrecht zurückgehen. So hatte das Delbrücker Land
eine eigene Gerichtsbarkeit und Delbrücker konnten nicht vor ein
auswärtiges Gericht geladen werden. Das Land verwaltete sich durch den Rat
des Landes Delbrück weitgehend selbst. Allerdings konnten nur Voll- und
Halbmeier, also Altbauern, Mit-glied des Rates werden. |
Die zweite Siedlerschicht - die Bardenhauer
|
Die zweite Siedlerschicht nach den Voll- und Halbmeiern
als Altbauern sind im Delbrücker Land die sogenannten Bardenhauer
(Viertelmeier). Ihr Name ist Programm, denn sie schlugen sich mit der
Barde oder Bohre, einem Handbeil, ein Stück aus dem Gemeinheitsland.
Elisabeth Bertelsmeier setzt die Entstehung der Höfe in der Zeit zwischen
1200 und 1450 an. Häufig hatten sie schlechtere Böden. Die Hofstellen
selber entstanden häufig in enger Beziehung zu einer Altbauernstätte. Es
wurde offensichtlich von dieser Altbauernstätte in die Gemeinheit
hineingerodet, um einen neuen Hof zu gründen. |
| Gösten (-meier) |
8 Morgen |
| Beckering |
17 Morgen |
| Coersmeyer |
17 Morgen |
| Wibbemeyer |
13 Morgen |
| Rolf (Rolftingsmeyer) |
22 Morgen |
| Sandmeyer |
24 Morgen |
Tabelle 2 Sudhäger Bardenhauer nach dem Landkataster von
1672 |
|
|
Die Bardenhauerhöfe waren deutlich kleiner als die Höfe der
Altbauern. Die Höfe erreichten jedoch eine Größe, dass in normalen Zeiten
der Lebensunterhalt durch die Landwirtschaft gesichert werden konnte. Im
Landkataster von 1672 finden wir sechs Sudhäger Bardenhauerhöfe. Bis auf
den Hof Sandmeyer, der dem Domkapitel in Paderborn gehörte, waren alle
Eigenbehörige des Fürstbischofs von Paderborn. |
Alte und neue Zuläger
Altzuläger |
|
Balke oder Balike |
12 Morgen |
|
Hagenhof |
10 Morgen |
Neuzuläger |
|
Lobbemeyer |
1 Morgen |
|
Cord Gösten (Göstenkors) |
9 Morgen |
|
Joist Kölner (Köllner) |
5 Morgen |
|
Franz Sander |
4 Morgen |
|
Kniesmeyer |
8 Morgen |
|
Bories Sieding |
12 Morgen |
|
Diethrichsmeyer |
5 Morgen |
|
Ebbert Rüscher |
2 Morgen |
|
Rhedeker |
3/8 Morgen |
|
Bories Kniest (Kniesburges) |
5 Morgen |
Tabelle 3: Sudhäger Alt- und Neuzuläger nach dem Landkataster
von 1672 |
|
Im Delbrücker Land galt das Anerbenrecht, d.h. die Höfe
konnten nicht geteilt werden, sondern wurden als ganzer Hof vererbt. Erbe
war in der Regel der jüngste Sohn. Fehlten Söhne, erbte die jüngste
Tochter. Die älteren Söhne mussten sich eine andere Existenz aufbauen,
z.B. indem sie die Anerbin eines anderen Hofes heirateten oder sich als
Handwerker im Dorf Delbrück niederließen.. Gelegentlich gelang es aber
auch mit der Unterstützung der Familie eine neue Hofstätte zu gründen.
Diese entstanden nicht mehr, wie bei den Bardenhauern in direkter
räumlicher Beziehung zum Stammhof, sondern als Einzelhof in der
Gemeinheit, die auch Mark genannt wurde. Die Altzuläger, das sind die
Höfe, die zwischen 1450 und dem Ausbruch des 30-jährigen Krieges
entstanden, werden daher auch siedlungsgeschichtlich als "Markkötter"
bezeichnet. Neuzuläger werden die Höfe genannt, die nach dem großen Krieg
entstanden. Rechtlich gesehen entsprechen die Altzuläger den Achtelmeiern
und die Neuzuläger den Sechzehntelmeiern. Die Beziehung zum ursprünglichen
Stammhof wird gelegentlich auch durch den Namen deutlich. So schaffte
sich z.B. ein Sohn des Bardenhauers Gösten(meier) names Cord Gösten eine
neue Hofstelle in der Mark. Aus Cord Gösten wird Göstecord/
Göstenkors. |
|
Die neu entstandenen Hofstellen waren jedoch meistens zu
klein und die Böden zu schlecht, um davon eine Familie zu ernähren. Häufig
musste einem Nebenerwerb nachgegangen werden, entweder indem man sich als
Tagelöhner bei größeren Bauern verdingte, als Hollandgänger im Sommer in
die reichen Niederlande aufbrach oder als Weber tätig war. |
Heuerlinge
Die ärmste Bevölkerungsschicht waren die sogenannten
Heuerlinge. Das Wort kommt von heuern = mieten. Heuerlinge stellten ihre
Arbeitskraft jeweils für ein Jahr einem großen Bauern zur Verfügung. In
der Regel wurde an Silvester ein Vertrag für das neue Jahr abgeschlossen,
wobei das Jahr vom 1. Mai bis zum 30. April gerechnet wurde.
Vergleichsweise günstige Vertragsbedingungen konnten dabei die Heuerlinge
aushandeln, die ihr eigenes Haus besaßen und dies jeweils auf dem Hof des
größeren Bauern aufstellen konnten. Die anderen bekamen vom Bauern ein
Heuerlingshaus zugewiesen und waren so noch zusätzlich von dem Bauern
abhängig. |
|
Reker |
|
Benser |
|
Jost Wegescheid |
|
Holländer |
|
Kröning Ebbes |
|
Lipsmeyer |
|
Henrichs |
|
Sandheinrich |
|
Sandtüns |
|
Tepper |
Tabelle 4 Höfe, die vermutlich nach 1672 entstanden und deshalb
im Landkataster nicht verzeichnet sind nach einem Höfeverzeichnis
von 1802. | |
Literatur:
Bertelsmeier, Elisabeth: Bäuerliche Siedlung und Wirtschaft im Delbrücker
Land, Münster 1942, ND. 1982.
Bertelsmeier, Elisabeth: Siedlungsräume des Delbrücker Landes, Die Warte 25,
1964, S. 82 - 85.
Balzer, Manfred: Grundzüge der Siedlungsgeschichte (800-1800), in Kohl,
Wilhelm: Westfälische Geschichte, Bd. 1, S. 232-273.
Engel, Gustav: Herrschaftsgeschichte und Standesrecht - Riege und Hagen,
Hausgenossen, Hausgenossenschaften, Malmannen, Bielefeld 1976.
Fußnote
[ 1
]
Gelegentlich wird die erste Erwähnung auf das Jahr 1374 datiert. Elisabeth
Bertelsmeier hatte diese Erwähnung in ihrem Aufsatz zu den Siedlungsräumen des
Delbrücker Landes 1964 (Die Warte 24, H.6 S. 85) behauptet. Beim Neuabdruck des
Aufsatzes 1977 hat sie diesen "Fehler" jedoch korrigiert
» Show All «Prev «1 ... 4 5 6 7 8 9 10 11 12 Next»
| |
|